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Afrin

Afrin ist eine Stadt im Nordwesten Syriens, die mehrheitlich von Kurden bewohnt wird. Der Bezirk Afrin ist einer von elf Distrikten des syrischen Gouvernements Aleppo und besteht aus sieben Gemeinden mit insgesamt 366 Dörfern. Die Region grenzt direkt an die Türkei.

Afrin ist eines der traditionellen Olivenanbaugebiete Syriens. 13 Millionen Olivenbäume gibt es dort laut Schätzungen. Die Region ist deshalb recht bekannt für sein kaltgepresstes natives Olivenöl extra und seine Alepposeife. Viele Familien bewirtschaften eigene Olivenhaine. In der Umgebung gibt es daher jede Menge Olivenölpressen. Weizen, Granatäpfel, Weintrauben, Melonen, Feigen und Gemüse werden ebenfalls angepflanzt. Der Fluss Afrin ist die Lebensader der Region für Mensch und Natur. Der Staudamm am Afrin bildet einen künstlichen See, der von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Landwirtschaft, den Fischfang und den regionalen Tourismus ist.

Die ältesten archäologischen Funde und historischen Bauwerke auf dem Gebiet des heutigen Bezirks Afrin sind rund 3000 Jahre alt. Das römische Theater, der Friedhof der antiken Stadt Nabi Huri im Nordosten und das frühbyzantinische Kloster – heute Pilgerstätte, auch Zitadelle des Symeon genannt, südlich von Afrin, der Ort, an dem der der erste christliche Säulenheilige Symeon wirkte, bis er im Jahr 459 starb – gehören zu den bedeutendsten historischen Sehenswürdigkeiten der Region.

Bis zur türkischen Militäroffensive Anfang 2018 sollen in der Region Afrin nahezu 350.000 -500.000 Menschen gelebt haben, darunter 125.000 geflüchtete Personen aus anderen Gebieten Syriens, vor allem aus Aleppo. Den Statistiken Ende der 1990er Jahre zufolge, stellten Araber ein Prozent der Bevölkerung von Afrin. Nachdem Anfang 2011 der Bürgerkrieg in Syrien ausgebrochen war, kamen aus benachbarten Städten und Dörfern so viele Flüchtlinge, dass der Anteil der arabischen Bevölkerung auf 15 Prozent anwuchs.

2012 zogen sich zunächst die syrischen Regierungstruppen aus Afrin zurück. Kurz danach übernahm die kurdische Miliz „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) die Kontrolle in der Stadt und errichtete im Jahr 2014 unter dem Namen Rojava („Westkurdistan“) drei Kantone in Afrin, Kobani und Jazira. 

 

Am 20. Januar 2018 leitete die türkische Armee die „Operation Olivenzweig“ gegen die syrisch-kurdische Region ein. Afrin wurde am 18. März 2018 von türkischen Truppen eingenommen. Das gesamte Gebiet ist seitdem unter der Kontrolle der türkischen Armee und der mit ihr verbündeten Rebellen.

Die Menschen in Afrin zahlen einen hohen Preis für die Konflikte der mächtigen Akteure im Nahen Osten. Auf der einen Seite schwelt seit 1984 weiterhin der politische und militärische Konflikt der PKK und seiner Ableger mit der Türkei. Der Kampf zwischen der türkischen Armee und der militanten PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) hat deutliche Spuren hinterlassen: rund 40.000 Tote, 3.500 zerstörte Dörfer, über 2,5 Millionen zur Flucht und Migration gezwungene Menschen. Der Konflikt hat die ethnische Polarisierung und den Nationalismus auf beiden Seiten verstärkt. Auf der anderen Seite tobt seit 2011 die bewaffnete Auseinandersetzung in Syrien. Den Streitkräften Syriens unter dem Kommando von Präsident Baschar al-Assad und seinen Verbündeten stehen bewaffnete, von der Türkei unterstützte Gruppierungen wie Freie Syrische Armee, Ahrar al-Sham und Hamza-Brigade gegenüber. Letztere kontrolliert nun unter türkischem Kommando Afrin und die Region.

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